Ruderkrimi auf dem Lago di Varese

Paul Umbach vom RCN verteidigt seinen Europameistertitel in Italien

Von Kareen Keller

Krimifans kamen bei EM-Final-Rennen der Para-Klasse 2 in Varese voll auf ihre Kosten. Denn was das amtierende Europameister-Duo Paul Umbach vom Ruderclub Nürtingen (RCN) und seine Hamburger Partnerin Jasmina Bier da auf dem Lago die Varese in Norditalien boten, war nervenzerfetzender als mancher Thriller.
Doch der Reihe nach. Im Vorfeld der EM hatte Bier mit Verletzungsproblemen zu kämpfen; die Vorbereitung lief nicht optimal. Deshalb ging es den beiden Para-Ruderern vor allem im Hinblick auf die Weltmeisterschaften Ende August in den Niederlanden darum, zu sehen, ob Bier nach der Zwangspause wieder voll belastbar ist. Beim Vorlauf gaben sie nur in der ersten Rennhälfte Vollgas, gewannen hier aber trotz einiger technischer Probleme gegen das sehr starke Boot aus Israel.
Im Finale mit insgesamt fünf Booten fanden sich Umbach und Bier zwischen den Israelis rechts und dem Boot aus der Ukraine zu ihrer Linken wieder. Nach einem geglückten Start lief das Rennen erst mal wie gewünscht: Umbach/Bier setzten sich an die Spitze vor Israel und der Ukraine. Mit etwa einem Luftkasten Vorsprung überquerten sie die Tausend-Meter-Marke. Doch nicht wie erwartet die Israelis kamen nun Schlag für Schlag näher, sondern das ukrainische Team rückte ihnen zunehmend auf die Pelle. Bei 1300 Metern hatten sich die Osteuropäer ans deutsche Boot herangekämpft und lagen für einige Schläge gleichauf. Dann schoben sich die Ukrainer Zentimeter für Zentimeter vorbei. Bei 1700 Metern lagen Umbach und Bier eine halbe Bootslänge zurück. Der Nürtinger und seine Partnerin von der Ruder-Gesellschaft Hansa Hamburg hatten aber nicht nur mit den unerwartet starken Ukrainern zu kämpfen, ihnen machten zudem Wasserpflanzen auf ihrer Bahn zu schaffen. Die anderen Bahnen hatten dieses Problem offenbar nicht im selben Maß. „Zum Glück sind wir nicht an den Pflanzen hängen geblieben, das hätte uns komplett ausgebremst“, erklärte Umbach nach dem Rennen.
Doch nun, dreihundert Meter vor dem Ziel galt es alles zu geben. Umbach/Bier setzten zum Endspurt an und fingen die Ukrainer gut hundert Meter vor dem Ziel wieder ab. Doch die ihrerseits schenkten dem deutschen Boot nichts und zogen mit ihrem Endspurt nach. Gleichauf näherten sich beide Boote der Ziellinie. Buchstäblich auf den letzten Metern schob das deutsche Duo seinen Bug wieder nach vorn und gewann schließlich mit vier Zehntelsekunden Vorsprung erneut den Europameistertitel vor der Ukraine und den drittplatzierten Israelis.
„Wir waren sehr erleichtert, dass wir den Titel verteidigen konnten und dass wir durch die Zwangspause keine großen Rückschritte gemacht haben“, resümierte Umbach. Für ihn und Bier folgen nun die Weltmeisterschaft in Amsterdam und der Qualifikation für die Paralympics 2028 im nächsten Jahr – die Spannung geht also weiter.

Siegerehrung:
Freuten sich mächtig über ihre gelungene Titelverteidigung bei den diesjährigen Europameisterschaften auf dem Lago di Varese: Paul Umbach vom Ruderclub Nürtingen zusammen mit seiner Hamburger Partnerin Jasmina Bier.

Rennen:
Mit toller Rudertechnik setzten sich die Deutschen gegen die Gegner aus der Ukraine denkbar knapp durch.

Fotos: meinruderbild.de/Detlev Seyb

August 2026

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