Paul Umbach ist Weltmeister

Der RCN-Para-Ruderer holt mit seiner Doppelzweier-Partnerin Jasmina Bier nach dem EM-Titel nun auch WM-Gold

Die Sensation ist perfekt: Paul Umbach vom Ruderclub Nürtingen (RCN) und seine Doppelzweier-Partnerin Jasmina Bier sind Weltmeister in der PR2-Klasse. Wenn das Finalrennen vor drei Wochen bei der Europameisterschaft in italienischen Varese ein Krimi war, dann war das WM-Finale nun in Amsterdam ein Thriller.
Nach der Goldmedaille bei der EM war klar, dass der 24-jährige Nürtinger und die 29-jährige Hamburgerin um den Sieg mitfahren würden. Ihre stärksten Gegner in Varese, die Boote aus der Ukraine und aus Israel waren ebenfalls wieder am Start. Hinzu kamen nun die amtierenden Weltmeister und Pariser Paralympics-Zweiten aus China.
Den Vorlauf dominierte das deutsche Duo souverän; es herrschte ziemlich starker Gegenwind, mit dem Umbach und Bier sehr gut umgehen können. Ihre Vorlaufzeit war deutlich schneller als die der Chinesen.
Da das Halbfinale ausfiel, weil vom ursprünglichen 13-Boote-Feld drei abgemeldet hatten, waren die Vorläufe zugleich die Qualifikation fürs Finale.
Das Finalrennen auf der Bosbaan am Südrand von Amsterdam war der Höhepunkt einer nicht ganz einfachen Rudersaison für das deutsche Paar. Nach einer Rippen-Verletzung war nicht klar, ob Bier in diesem Jahr wieder voll belastbar sein würde. Doch nach der geglückten EM und einer dreiwöchigen Vorbereitungszeit im Ruderleistungszentrum in Ratzeburg, gingen die beiden selbstbewusst ins Rennen.
Ihr Start war allerdings nicht perfekt, Umbach/Bier brauchten ein wenig, um ihren Rhythmus zu finden. Mit einer fast unglaublichen Schlagzahl von konstant über 40 setzten sich erstmal die Usbeken an die Spitze. Aber die Schlagzahl ist nicht zwangsläufig auch Geschwindigkeit. Bei 1000 Metern waren die Usbeken bereits von drei Konkurrenten überholt. Die Chinesen übernahmen mit ihren kraftvollen, aber technisch nicht sehr sauberen Schlägen die Führung, gefolgt von Umbach/Bier. Bei 1500 Metern lagen sie eine knappe Bootslänge hinten, ihrerseits gefolgt von Israel. An der Reihenfolge änderte sich auch bis zur 1750 Meter-Marke nichts. Doch dann packten Umbach und Bier ihre Stärke aus: Mit technisch hoher Präzision und der daraus resultierenden höheren Bootsgeschwindigkeit starteten sie ihren Endspurt. Die Chinesen versuchten dem mit schierer Kraft zu begegnen, mussten aber Meter für Meter ihres Vorsprungs verloren geben. Auf der Ziellinie hatte das deutsche Boot die Asiaten um eine knappe Sekunde überholt.
„Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, dieses Rennen gewonnen zu haben. Die ganze Arbeit der letzten Jahre hat sich ausgezahlt“, freute sich Paul Umbach nach diesem spektakulären Sieg.
Für den Ruderclub Nürtingen und die Heimtrainerin Merit Linder, hat er damit den ersten WM-Titel im Para-Rudern geholt.
Im nächten Jahr wollen Umbach und seine Partnerin natürlich ihre Erfolgsgeschichte fortschreiben. Dann wird es darum gehen, wer sich für die begehrten Startplätze bei den Paralympischen Spielen 2028 in Los Angeles qualifizieren kann. Mit dieser überzeugenden Leistung als Weltmeister sind die Chancen hierfür weiter gestiegen. Umbach, der derzeit seinen Bachelor in Fahrzeugtechnik abschließt, will sich in den kommenden anderthalb Jahren hauptsächlich aufs Rudern konzentrieren. (kk)

Haben die Muskeln spielen lassen: Paul Umbach vom Ruderclub Nürtingen und seine Hamburger Bootspartnerin krönen sich zum Weltmeister auf der WM in Amsterdam.

Mit der besten Technik des Starterfeldes zum WM-Titel: Paul Umbach und Jasmina Bier.

Fotos: meinruderbild.de/Detlev Seyb

August 2026

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