Ab nach Kanada!

Hanna Sättler vom Ruderclub Nürtingen (RCN) sorgt bei den Deutschen Jahrgangsmeister-schaften im Juniorinnen Zweier ohne Steuerfrau für eine faustdicke Sensation.

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Noch vor drei Wochen bei der großen DRV-Juniorenregatta in Hamburg schien der Zug zur Junioren-Weltmeisterschaft für Hanna Sättler vom RCN und ihre Zweierpartnerin Sophia Brenke aus Karlsruhe endgültig abgefahren. In der Rangliste landeten sie unter Wert geschlagen auf dem 13. Platz; nur die ersten neun Plätze hatten sich für die Nationalmannschaft qualifiziert. Entsprechend ohne Erwartungen und Druck reiste das Duo am vergangenen Wochenende zur Deutschen Meisterschaft nach Essen. Und dort auf dem Baldeneysee geschah dann das Wunder, mit dem keiner gerechnet hatte: Sie holten im Zweier-ohne die Goldmedaille und lösten damit das Direkt-Ticket zur WM im August in Kanada. Denn der Deutsche Meistertitel bedeutet zugleich den gesetzten Platz in eben diesem Boot für die WM.
Weder Sättler und Brenke noch die RCN-Trainer Merit Linder, Jan Haßdenteufel und Max Schefele hätten sich das träumen lassen. Die Nürtinger und ihre Trainerkollegen in Essen waren sich einig: so etwas hat es schon sehr, sehr lange nicht mehr gegeben.
Nach dem gewonnenen Vorlauf hatten die beiden A-Juniorinnen es im Finale mit den Gewinnerinnen der Hamburger Rangliste, einem Boot aus Schleswig-Holstein sowie der starken Crew aus Magdeburg zu tun. Doch bereits bei Streckenhälfte nach 1000 Metern zeigten Sättler und Brenke ihre wahre Stärke und übernahmen die Führung, die sie bis ins Ziel nicht mehr hergaben. „Es war ein sensationelles Rennen“, schwärmte Linder, die als Coach der beiden Ende Juli ebenfalls die Koffer für die Reise nach Kanada packen wird.
Da konnte die knapp verpasste Bronzemedaille des Süd-Achters, in dem Sättler in Essen ebenfalls noch startete, der Freude auch keinen Abbruch mehr tun.
Doch nicht nur Sättler war für den Ruderclub zu den Deutschen Meisterschaften gereist.
Jurek Sauter, Phil Weckenmann und Emil Rauscher saßen sowohl im leichten U23-Achter als auch im Vierer ohne. Der Achter kam gut aus dem Start und lieferte sich über die ersten tausend Meter der Strecke einen beherzten Kampf mit einer norddeutschen Renngemeinschaft. Diese setzten sich dann allerdings mit einem Zwischenspurt ab, den die Mannschaft mit den Nürtingern nicht kontern konnten. Am Ende holten sie verdient den Vizemeistertitel. Im Vierer gabs für die Nürtinger dann noch eine Bronzemedaille obendrauf.
Nele Fischer und Annika Weiß vom RCN starteten ebenfalls in einem Renngemeinschafts-Vierer bei den A-Juniorinnen. Sie erkämpften sich die Finalteilnahme über den Hoffnungslauf. Das Finale lief dann jedoch wie am Schnürchen und bescherte den Vieren die Silbermedaille. Im leichten Zweier traten Fischer und Weiß ebenfalls an. Hier lief es nicht so rund: Nach einem verpatzen Vorlauf gewannen sie zwar den Hoffnungslauf, landeten im Finale dann aber auf dem sechsten Platz.
Die zwei Nürtinger Maximilian Hammer und Lukas Dorfschmid starteten ebenfalls in einem Renngemeinschafts-Vierer-Ohne bei den B-Junioren (15/16 Jahre), der in dieser Saison bislang ungeschlagen war. Im Vorlauf blieb dies auch weiterhin so. Leider setzte der Finallauf dieser Serie ein Ende. Probleme mit den Begrenzungsbojen sorgten dafür, dass die vier mit nur 0,12 Sekunden Rückstand auf dem Bronze-Rang landeten. Die beiden Nürtinger waren mit der errungenen Medaille aber sehr zufrieden, zudem sie im BaWü-Achter noch zusätzliche auf den vierten Platz fuhren.
Hannes Fouqué und Julian Engel vom Ruderclub waren mit zwei Ulmern an Bord eines A-Junioren-Vierer-ohne (17/18 Jahre). Im Finalrennen konnte das Boot der Schwaben bis zur 1000-Metermarke gut mithalten und den dritten Platz behaupten. Auf den dritten fünfhundert Metern wurden sie allerdings von der Konkurrenz überholt und beendeten das Rennen als Fünfte, worüber die Mannschaft jedoch nicht unglücklich war: “Wir haben unser Bestes gegeben und sind mit dem Rennen zufrieden, auch wenn´s nicht für die Medaille gereicht hat.“
Ebenfalls in einem Achter traten die RCN-Junioren Tom Abele und Micha Hümpfner an. Nachdem sich das Boot über den Vorlauf nicht qualifiziert hatte, verpasste es trotz eines beherzten Hoffnungslaufs das A-Finale und belegte nach gewonnenem B-Finale schließlich den siebten Rang.
So beendeten die Nürtinger die Deutschen Jahrgangsmeisterschaft mit insgesamt einer Gold-, zwei Silber- und zwei Bronzemedaillen sowie sehr guten Platzierungen im Feld der deutschen Ruderelite. Für Sättler und ihre Zweier-Partnerin aus Karlsruhe geht es allerdings vom 21. bis 25. August im kanadischen St.Catharines nochmal richtig zur Sache. Bereits Ende Juli werden sie gemeinsam mit ihrer Trainerin Merit Linder dort hinfliegen, um die dreiwöchige, direkte Wettkampfvorbereitung im Nationalteam vor Ort zu absolvieren. Die Nürtinger drücken die Daumen!

Sorgten für die größte Überraschung auf den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften:
Hanna Sättler vom Ruderclub Nürtingen (rechts) und ihre Partnerin aus Karlsruhe gewannen völlig überraschend den Juniorinnen Zweier ohne Steuerfrau.
Neben der Goldmedaille sicherte sich das Duo auch noch ein Ticket für die Junioren-Weltmeisterschaften im August im kanadischen St. Catherines.

  1. Juni 2024 || Bericht: Kareen Keller || Foto: Detlef Seyb (meinruderbild.de)

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